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Erkundet die Möglichkeiten für Videoproduktion mit Smartphone & Tablet

#3 Medienproduktion mit Smartphone & Tablet: CONTRA — 13. January 2017

#3 Medienproduktion mit Smartphone & Tablet: CONTRA

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CONTRA – Was für Nachteile und Probleme kann es geben?

1. Kein optischer Zoom
Smartphones und Tablets können vieles, aber nicht alles. Ein zentraler Schwachpunkt gegenüber regulären (Video-)Kameras ist z.B. der fehlende optische Zoom, mit dem sich weit entfernte Motive näher heranbringen und schnelle/bequeme Einstellungswechsel vornehmen lassen. Kamera-Apps bieten mitunter einen digitalen Zoom an, dieser sollte jedoch im Normalfall nicht verwendet werden, da das Bild nur elektronisch vergrößert wird und die Bildqualität abnimmt. Samsung hat mit dem Galaxy S4 Zoom und dem K Zoom zwar zwei sehr interessante (von der Android-Software jedoch mittlerweile recht veraltete) Smartphones mit 10-fachem optischen Zoom auf den Markt gebracht, auch Asus hat mit dem ZenFone Zoom (3x) ein Experiment gewagt. Der Rest des Marktes muss jedoch (noch) ohne auskommen. Der Grund dafür ist recht simpel: Beim momentanen Stand der Technik würde ein optischer Zoom das Smartphone wesentlich dicker machen als es gerade en vogue ist. Für bestimmte Tätigkeiten ist der Zoom allerdings unablässig. So ist es z.B. bei der Aufzeichnung von Theaterstücken, Sportereignissen und anderen Events oft nicht möglich/gewünscht, für eine Nahaufnahme auf die Bühne oder das Spielfeld zu gehen. Doch auch wenn man die Möglichkeit hat, sich für Nahaufnahmen problemlos näher an ein Motiv zu begeben, ist der Zoom grundsätzlich eine bequemere und schnellere Lösung, was gerade für Journalisten, bei denen es oft auf Schnelligkeit ankommt, sehr von Vorteil sein kann. Aufgrund des fehlenden optischen Zooms muss man Personen mitunter auch sehr nah “auf die Pelle” rücken, um eine Nahaufnahme zu bekommen, was für diese unangenehm sein kann. Nun ist es zwar möglich, speziell für Smartphones entwickelte kleine Teleobjektive mittels einer Halterung vor die Smartphone-Linse zu bauen, dieses Prozedere ist aber nicht immer sehr praktikabel und funktioniert auch nicht mit allen Smartphones (gleich gut). Interessant ist jedoch ein neuer Ansatz mit zwei Kamera-Linsen in der Rückseite des Smartphones, die jeweils eine unterschiedliche Brennweite haben und damit als eine Art optischer Zoom dienen, wenn auch nur in sehr begrenztem Rahmen: Apples neues iPhone 7+ geht diesen Weg, ebenso Asus’ kommendes ZenFone 3 Zoom. Damit kann der Formfaktor des Handys flach gehalten werden, allerdings gibt es wegen der zwei Festbrennweiten (beim iPhone 7+ sind es 28 bzw. 56mm, also ein 2x Zoom) keine Zwischenwerte (also kein kontinuierliches Zoomen) und ein Zoom-Faktor von 2 ist auch nicht gerade weltbewegend.

2. Lichtempfindlichkeit des Sensors
Eine weitere Schwachstelle von Smartphone-Kameras ist die Lichtempfindlichkeit des Kamerasensors unter schlechten Lichtbedingungen. Während Smartphone-Kameras bei gutem Licht in vielen Fällen auf Augenhöhe mit dezidierten Kameras agieren können, tritt aufgrund des meistens relativ kleinen Sensors bei ungünstigen Lichtverhältnissen recht schnell ein unschönes Bildrauschen auf (vor allem, wenn die Kameraapp im Automatik-Modus läuft). Selbstverständlich gibt es aber auch hier zunehmend Fortschritte und ein Vorteil des oben angesprochenen fehlenden optischen Zooms ist immerhin, dass man kein Licht durch das Zoomen verliert. Die Technik von Zoom-Optiken bringt es nämlich in der Regel mit sich, dass man im Telebereich zunehmend Blendenstufen und damit Licht verliert.

3. Ergonomie
Wesentlich weniger gewichtig als die ersten beiden Punkte, aber in manchen Situation doch von Nachteil ist die Ergonomie eines Smartphones als Kamera. Während Videokameras oder (filmende) Fotoapparate prinzipiell so konzipiert sind, dass man sie gut und sicher in der Hand halten und bedienen kann, ist das bei Smartphones wegen des (durchaus verständlichen) Trends zu möglichst flachen und kompakten Designs sowie deren eigentlichen Zweck nicht wirklich der Fall. Zwar gibt es mittlerweile spezielle Smartphone-Rigs und Halterungen, die dem Smartphone im Handling wieder mehr Griffigkeit verleihen; auch macht sich diese Schwäche im Wesentlichen nur beim Filmen aus der Hand bemerkbar, weniger bei der Nutzung eines Stativs. Allerdings kann man noch über zwei weitere Punkte in Sachen Handling diskutieren: Der Touchscreen eines Smartphones ist zweifelsohne wegen seiner Vielseitigkeit bei der Darstellung eine geniale Sache, allerdings haben physikalische Knöpfe wie man sie an dezidierten Kameras vorfindet, durchaus ihre Vorteile, da man sie besser “blind” und mit kalten Fingern oder Handschuhen bedienen kann. Außerdem vertippt man sich auf einem Touchscreen oft leichter als bei echten Knöpfen – das kann im Eifer des Gefechts schon mal recht ärgerlich sein. Im Übrigen nutzen nur wenige Smartphone-Modelle und Apps die verbliebenen physikalischen Knöpfe bei der Aufnahme von Video. Zuletzt sei gesagt, dass es in bestimmten Situationen etwas hinderlich ist, dass der Bildschirm nicht von der Kamera entkoppelt ist, d.h. dass man den Bildschirm nicht unabhängig von der Kamera bewegen kann. Dies erweist sich dann als Mangel, wenn man Kameraeinstellungen nah am Boden oder über dem Kopf wählt.

4. Kein Sucher
Der interne Sucher (Englisch: Electronic View Finder oder EVF) einer Video- oder Fotokamera ist dann hilfreich, wenn man bei starker Sonneneinstrahlung filmt und die Helligkeit des äußeren Displays nicht dafür reicht, die Belichtung zuverlässig zu beurteilen. Smartphones verfügen (aus wohl verständlichen Gründen) nicht über einen Sucher, der vom Umgebungslicht abgeschirmt ist. Je nach Situation kann man sich damit behelfen, die Bildschirmhelligkeit auf das Maximum zu stellen (zehrt natürlich am Akku), einen Sonnenschutz als Zubehör zu kaufen/selbst zu basteln oder auf die automatische Belichtung des Smartphones/der App zu vertrauen.

5. Systemstabilität
Natürlich hängt die Systemstabilität bei der Medienproduktion mit Smartphones von zahlreichen, unterschiedlichen Faktoren ab: Smartphone-Modell, Betriebssystem, Betriebssystem-Version, App, App-Version etc. Generell kann man jedoch anmerken, dass die Vielseitigkeit des Smartphones als Telefon, Mini-Computer, Video- und Fotokamera, Musikplayer etc. auch dazu geführt hat, dass das Gerät und seine Funktionalität extrem komplex geworden ist, obwohl der Nutzer das meistens nicht wahrnimmt, da die Benutzeroberfläche fast immer sehr einfach und intuitiv gestaltet ist. Je komplexer ein System, desto größer ist die Gefahr von möglichen Komplikationen. Während eine Videokamera (die natürlich auf ihre Weise auch ein sehr komplexes Stück Technik ist) eben einen Hauptzweck hat und darauf ausgerichtet und getestet wurde, ist das bei einem Smartphone nicht der Fall. Beim Smartphone kann es eher sein, dass das Betriebssystem oder die App einen Fehler hat, der in der Fülle der Funktionen des Gerätes und der Komplexität des gesamten Systems einfach übersehen wurde. Ich würde also behaupten, dass eine Videokamera in aller Regel zuverlässiger ist, wenn es um das Aufzeichnen von Video geht. Natürlich kann es auch bei Videokameras zu Fehlfunktionen kommen und im Bereich der Smartphones haben sich bestimmte Geräte/Modelle als zuverlässiger erwiesen als andere. Trotzdem sollte dieser Punkt nicht ignoriert werden.

FAZIT
Die Vorstellung vom Smartphone als Schweizer Taschenmesser für AV-Medienproduktion trifft den Nagel recht gut auf den Kopf: Seine Vielseitigkeit, Kompaktheit und intuitive Nutzbarkeit eröffnen ungeahnte Möglichkeiten auch für weniger Technik-affine Menschen. Es ist schlichtweg fantastisch, was für qualitativ hochwertiger AV-Content heute mit einem einzigen Gerät, das zudem fast jeder jederzeit zur Hand hat, machbar ist. Man sollte sich jedoch bewusst sein, dass das Smartphone gerade in seiner Vielseitigkeit aber eben auch bestimmte Schwachstellen besitzt, weil es eben nicht für den EINEN bestimmten Zweck ausgerichtet und dahingehend nicht “perfektioniert” wurde. Dies sollte jedoch niemanden davon abhalten, sich auf diesem Gebiet auszuprobieren. Wer die Schwächen kennt, kann sie in vielen Fällen umschiffen und die zahlreichen Stärken gewinnbringend ausspielen. Die z.T. rasanten und hoch-kreativen Entwicklungen in diesem Bereich werden es in jedem Fall wert sein, dran zu bleiben.

#2 Medienproduktion mit Smartphone & Tablet: PRO — 29. July 2015

#2 Medienproduktion mit Smartphone & Tablet: PRO

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Technik bietet sich ja bekanntermaßen besonders dafür an, einer leicht irrationalen Faszination zu erliegen und die Dinge einfach nur wegen ihrer unglaublichen Möglichkeiten und Funktionen zu bestaunen – die Frage nach der tatsächlichen Nützlichkeit und Praktikabilität eines neuen Gadgets verschwimmt nicht selten in freudentränendurchnässten Funkelaugen. Im Bereich der Kunst kennt man die Redewendung des L’art pour l’art – der Kunst um der Kunst Willen, ohne eigentlichen praktischen Zweck. Nun ist aber das Smartphone, so wie wir es hier einordnen wollen, keine Kunst. Vielleicht ist das, was man damit kreiert Kunst, aber nicht das Gerät selber. Das Gerät ist vielmehr das Werkzeug, um etwas zu erschaffen (Kunst wäre eine Möglichkeit), und ein Werkzeug – darüber werden wir uns wohl leichter einig als beim Thema Kunstwerk – sollte dann doch irgendwie einen bestimmten Zweck erfüllen. Zudem darf die Frage angeschlossen werden, welchen Mehrwert ein neues Werkzeug gegenüber älteren, bereits existierenden hat. Und hier geht es dann auch schon konkret ans Eingemachte: Was für Vorteile bietet die Medienproduktion mit Smartphones und Tablets im Vergleich mit traditionelleren Gerätschaften wie dezidierten Aufnahme- und Bearbeitungsgeräten (Videokameras, Fotoapparate, Audiorekorder, Schnitt-PC etc.)? Und – das sollte ebenfalls Erwähnung finden – wo liegen die Schwachstellen? Eine hilfreiche Maxime in diesem Gebiet ist auf jeden Fall, dass man idealerweise immer das richtige Werkzeug für den entsprechenden Job hat – und das kann von Fall zu Fall variieren. Das Smartphone ist in vielerlei Hinsicht eine Art “digitales Schweizer Taschenmesser”, welches Unmengen an nützlichen Funktionen in sich vereint – aber ob ein Taschenmesser das beste Werkzeug dafür ist, die größte und gewaltigste Eiche im Wald zu fällen, mag eher bezweifelt werden. Monty Python würde es aber wohl sogar mit einem Hering schaffen. Ein Pro & Contra in zwei Teilen.

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PRO – Was spricht für die Medienproduktion mit Smartphones und Tablets?

1. Mobilität
Der naheliegenste Vorteil eines Smartphones dürfte mit Sicherheit seine geringe Größe und allgegenwärtige Verfügbarkeit sein. Es ist klein und die meisten tragen es ständig bei sich. Man muss also keine Kameratasche mit sich herumschleppen. Besonders bei spontanen Ideen oder unvorhergesehenen Ereignissen und Situationen kann man schnell reagieren ohne sich erst woanders Equipment besorgen zu müssen. In diesem Sinne bietet sich das Smartphone natürlich gerade für Journalisten/Reporter an.

2. Vereinfachter & schnellerer Workflow
Während der Mobilitätsfaktor sicher von großer Bedeutung ist, halte ich einen anderen Punkt für noch faszinierender: Zum ersten Mal in der Geschichte gibt es ein Multimedia-Gerät, welches die verschiedenen Stationen eines kompletten Produktionsprozesses alle in sich vereint: Planung – Dreh/Aufnahme – Materialtransfer – Bearbeitung – Bereitstellung. Wenn man will, könnte man die Liste auch noch um den Bereich “Rezeption” erweitern, denn zunehmend werden Medieninhalte ja auf Smartphones konsumiert. “Planung” ist mit Sicherheit der weitläufigste Begriff in diesem Feld, weshalb ich nicht näher darauf eingehen werde, aber diverse Organisations-Apps (z.B. Evernote) oder einfach die Möglichkeit zur Recherche und Information via Internet (Wetter, Örtlichkeiten, Personen, Ereignisse etc.) können hier hilfreich sein. Dank integrierter Kamera und Mikrofon lassen sich mit dem Smartphone problemlos Video-/Foto-/Audioaufnahmen machen (die Qualität hängt natürlich vom jeweiligen Gerät ab). Im Gegensatz zum klassischen Workflow mit Kamera und Computer entfällt nun der Dateitransfer (wer noch mit Bändern gearbeitet hat, der weiß wie nerven- und zeitaufreibend das sein kann) und man hat mittels zahlreicher Apps die Möglichkeit, die Dateien (sei es Video, Foto, Audio) zu bearbeiten und einen Beitrag zusammenzustellen. Da das Smartphone an das (mobile) Internet angeschlossen ist (also ein(e) connected device/connected camera darstellt), können fertige Beiträge auch gleich versendet oder auf der entsprechenden Publikationsplattform bereitgestellt werden. Mit der Einführung des 3G-Netzwerkes, bzw. dem jetzigen Übergang zu 4G/LTE steht auch eine ausreichend schnelle Mobilfunk-Infrastruktur zu Verfügung, um das unproblematische Versenden von AV-Mediendateien zu gewährleisten. Der gestraffte Workflow spart Zeit und Ressourcen, inbesondere im Nachrichtenbereich kann das von unschätzbarem Wert sein.

3. Multifunktionalität
Verschiedene Apps und Funktionen machen das Smartphone zu einer Art “digitalem Schweizer Taschenmesser”. Neben dem typischen Workflow eines AV-Beitrages wie unter Punkt 2 beschrieben, lässt sich das Gerät oftmals noch zu ganz anderen Zwecken verwenden: Als zusätzliche Lichtquelle mit der Taschenlampenfunktion, als Teleprompter mit einer Prompter-App, als separater Audiorekorder mit einem Ansteckmikro in der Hosentasche einer Person für besseren Ton, als Monitor für eine Action-Kamera, für Livestreaming etc. etc.

4. connected device – ein mit dem Netz verbundenes Gerät
Ein zentraler Vorteil gegenüber ‘normalen’ Kameras und anderen Aufnahmegeräten ist, wie weiter oben unter Punkt 2 schon erwähnt, die Verbindung mit dem Internet. Deshalb lassen sich nicht nur Dateien schnell von unterwegs verschicken, sondern man hat eben auch direkten Zugang zu den sozialen Netzwerken (in der Regel über speziell für die mobile Nutzung entwickelte Apps), die ja zunehmend als Veröffentlichungsplattform für Medieninhalte dienen.

5. Ausreichende Qualität
Mittlerweile kann so gut wie jede Smartphone-Kamera Video in HD (720p) oder FullHD (1080p) aufnehmen, selbst 4K ist schon bei einigen Modellen möglich. Auch Fotos und Audioaufnahmen können prinzipiell in einer Qualität gemacht werden, die “good enough” für viele Zwecke ist. “good enough” bedeutet, dass die Qualität ausreichend ist, obwohl man mit anderen Geräten (technisch gesehen) noch bessere Ergebnisse erzielen könnte, deren Qualitätszugewinn jedoch kaum wahrgenommen oder zumindest nicht als zwingend notwendig erachtet wird.

6. Diskretion
Nicht nur für einen selbst kann die kleine, unscheinbare Form und die allgemeine Vertrautheit mit dem Gerätetyp angenehm sein, auch ein Gesprächspartner fühlt sich unter Umständen wohler, wenn ihm keine große Kamera gegenübersteht. Möglicherweise bekommt man also auf diese Weise bessere und interessantere Aufnahmen zustande.

7. Erweiterungsmöglichkeiten durch Zubehör
Wie unter CONTRA noch zu lesen sein wird, geht mit einer Multifunktionalität im Allgemeinen auch eine eingeschränkte Funktionalität im Speziellen einher. In vielen Bereichen haben jedoch die Hersteller von Zubehör einige Lücken geschlossen oder zumindest verkleinert. Das vielleicht naheliegenste und meistgekaufteste Helferlein ist dabei eine Halterung, mit der sich das Smartphone auf einem handelsüblichen Stativ anbringen lässt, um unverwackelte Aufnahmen zu meistern oder sich selbst als Akteur vor die Kamera zu bringen, wenn kein separater Kameramann zu Hand ist. Daneben gibt es u.a. spezielle externe Mikrofone, bzw. Adapter, Objektive/Linsen, Stative, Halterungen und vieles mehr.

8. Spezielle Perspektiven
Nicht zu verachten ist schließlich noch die Aussicht auf ganz spezielle Kameraperspektiven, die sich aus der kompakten Form des Gerätes ergeben. Ein Smartphone lässt sich oftmals an Orten unter- oder anbringen, die anderen Kameras wegen ihrer Größe oder wegen ihres Gewichtes unzugänglich bleiben.

Demnächst: #3 Medienproduktion mit Smartphone & Tablet: CONTRA

 

#1 Schnitt im Schritt oder: Die faszinierende Idee eines Hosentaschenvideostudios — 28. June 2015

#1 Schnitt im Schritt oder: Die faszinierende Idee eines Hosentaschenvideostudios

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iPod Touch (2. Generation) mit ReelDirector-App

Im Jahr 2009 kaufte ich mir für das Studium, bzw. genauer gesagt für meine neben dem Studium betriebenen Videoarbeiten meinen ersten iMac. Im Rahmen eines Back-to-School-Angebots gab es damals einen iPod Touch (2. Generation) gratis dazu, vermutlich weil die 3. Generation kurz vor dem Release stand und Apple die frisch veraltete Hardware noch irgendwie unters Volk bringen wollte. Das iPhone war zu diesem Zeitpunkt etwa 2 Jahre auf dem Markt, ich persönlich hatte daran allerdings kein sonderliches Interesse, vor allem der extrem hohe Preis für ein Mobiltelefon schreckte mich ab. Das mobile Internet war mir aus WAP-Zeiten noch etwas suspekt, der größte Reiz bestand damals für mich darin, unterwegs Filme zu schauen, die man sich auf das Geräte geladen hatte. Nun, das ließ sich auch mit meinem neu erworbenen iPod Touch bewerkstelligen, schließlich war dieser mehr oder weniger ein iPhone ohne Telefonfunktion. Nach einer kurzen „Wow“-Phase mit dem Hosentaschenkino landete das gute Teil jedoch recht schnell in einer Schublade, aus der ich es lediglich in sehr unregelmäßigen Abständen wieder hervorholte.

Zeitsprung. Ende 2011 stieß ich durch Zufall im Internet auf die Info, dass es Apples Einsteiger-Videoschnittprogramm iMovie mittlerweile auch für das mobile Betriebssystem iOS gab, genau gesagt seit Juni 2010. Videoschnitt unterwegs mit einem Gerät, das man in der Hosentasche immer dabei haben kann? Wie verrückt ist das denn bitte? Gespannt wie ein Flitzebogen kramte ich natürlich sofort meinen iPod Touch wieder hervor und versuchte die App zu installieren. Leider ohne Erfolg, man benötigte mindestens iOS 5, welches sich aber auf meinem iPod Touch-Oldtimer nicht mehr installieren ließ. Also machte ich mich auf die Suche nach alternativen Apps für den mobilen Videoschnitt. Während sich Splice (erschienen Ende Dezember 2010) bedauerlicherweise ebenfalls aus technischen Gründen nicht installieren ließ, hatte ich schließlich mit der App ReelDirector Glück. Diese App darf retrospektiv als eine Art „Vater des Hosentaschenvideoschnitts“ bezeichnet werden, sie kam ursprünglich im Oktober 2009 auf den Markt. Natürlich war mir klar, dass man aufgrund der begrenzten Hardware-Power und des kleinen Touchscreens keine hochkomplexe und vollfunktionale Schnittlösung erwarten konnte, ich war aber positiv überrascht, dass tatsächlich alle Grundfunktionen an Bord waren, um aus mehreren Clips ein einfaches Video zu basteln. Auch die Bedienung per Touchscreen ging erstaunlich gut von der Hand. Es gab allerdings zwei Probleme, die den ersten Enthusiasmus schnell wieder eindämmten: Zum einen musste man sich mit unglaublich langen Renderzeiten beim Abspielen und Exportieren abfinden, zum anderen hatte der iPod Touch (2. Generation) noch keine Kamera, weshalb man Schnittmaterial erst umständlich auf das Geräte laden musste. Der praktische Nutzen war also in diesem Kontext eher gering und das ganze lediglich eine nette Spielerei mit Blick in die Zukunft.

Nachdem ich in der Folgezeit weiterhin tapfer meinem betagten Samsung Sliderhandy (immerhin mit Farbdisplay und 2MP-Kamera!) die Treue hielt und vom Kauf eines Smartphones absah, war es im Herbst 2013 dann doch soweit. Zwar hatten mir als Nutzer eines iMacs alle möglichen Leute zum Erwerb eines iPhones geraten, aber wie einst schon war mir einfach der Preis zu hoch. Kurzzeitig spielte ich mit dem Gedanken an ein Blackberry (wegen der physischen Tastatur), entschied mich dann aber mit dem Samsung Galaxy S3 Mini doch für ein Android-Gerät. Smartphone – check. Jetzt vielleicht noch ein Tablet? Kurze Zeit später legte ich mir auch noch ein iPadMini zu. Und auf ging es in die vielfältige und man mag fast sagen: unübersichtliche Welt der Apps. Mittlerweile hatte ja auch die Hardware der Geräte Riesenschritte nach vorne gemacht: Für den Videoschnitt brauchbare Rechenpower durch leistungsfähigere Chipsets kombiniert mit HD- und FullHD-Videooptiken hoben den praktischen Nutzen dieser portablen Multimedia-Allzweckwaffe in ganz neue Regionen.

Bei der Suche nach Personen und Plattformen, die sich mit der mobilen Medienproduktion via Smartphones und Tablets (etablierte Stichwörter und Hashtags sind hier z.B. MoJo/Mobile Journalism und Mobile Reporting) auseinandersetzen, stieß ich auf zwei Blogs, die für mich in diesem Bereich wegweisend wurden und deren Verfassern ich an dieser Stelle auch ganz herzlich für ihr Engagement danken möchte: Einerseits handelt es sich dabei um das Blog von Glen Mulcahy (tvvj.wordpress.com), Innovation Lead beim öffentlichen irischen Fernseh- und Radiosender RTÉ in Dublin. Glen stellt in seinem Blog allerlei Geräte, Apps und Zusatzequipment vor, die sich zur mobilen Medienproduktion mit Smartphones und Tablets eignen. Auch das Thema Workflow wird behandelt, also welche Arbeitsprozesse und –abläufe vom Dreh bis zur Veröffentlichung von Inhalten gut oder weniger gut funktionieren. Im deutschsprachigen Bereich hat sich in dieser Hinsicht Marcus Bösch mit seinem Blog mobile-journalism.com sehr verdient gemacht. Seine Beiträge sind öfter auch mal mit einer Prise (Selbst-)Ironie gewürzt und finden bisweilen interessante Anschlusspunkte an medien-, kommunikations- und sozialwissenschaftliche Themen.

Leider ist im Allgemeinen jedoch zu beobachten, dass viele Informationsquellen zur AV-Medienproduktion mit Smartphones sehr stark auf Apple und seine iOS-Geräte, insbesondere das iPhone, fixiert sind und die beiden anderen relevanten mobilen Plattformen Android (Google) und Windows Phone (Microsoft) weitgehend oder komplett ausblenden. Das ist bedauerlich, denn es gibt hier auch sehr viel zu entdecken und zu vergleichen. Mein Ansatz für dieses Blog ist deshalb ganz bewusst ein plattformübergreifender: Android, iOS und Windows Phone. Und sollte es etwas Spannendes von anderen (vom Marktanteil verschwindend geringen) mobilen Betriebssystemen wie Blackberry OS, Firefox OS, Ubuntu etc. geben, dann kommt vielleicht auch mal ein Post dazu. Um die Betriebssysteme an sich wird es allerdings gar nicht so direkt gehen, der Fokus wird von der technischen Seite aus auf Geräten, Apps, Zubehör und Workflows liegen. Dazu will ich hin und wieder auch eine etwas breitere, medientheoretische (und durchaus auch selbstreflexive) Perspektive aufziehen, um mich nicht in einem bloßen Gadget-Universum zu verlieren. Mal sehen, ob das gelingt …

P.S.: Wer gerne regelmäßig mit kleinen Info-Bits zum Thema versorgt werden möchte, der darf mir gern auf Twitter unter @smartfilming folgen!